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Börsenbriefe - Warum kleine Analysten-Teams große Fonds schlagen

Mit Börsenbriefen meine ich kostenpflichtige Publikationen kleinerer Redaktionsteams, die gemäß einer bestimmten Strategie Aktien- oder andere Anlage-Empfehlungen aussprechen und diese für ihre Leser weiterverfolgen.

Es gibt in der Tat einige handfeste Argumente, warum seriöse Börsenbriefe den Markt und damit die meisten großen Fonds schlagen können. Dennoch haben diese winzigen Nischenprodukte im großen und konzentrierten deutschen Zeitschriften- bzw. Bankenmarkt ein schlechtes Image. Zu unrecht, wie ich nach vielen Jahren privater Geldanlage nun weiß. Ihr schlechtes Image haben diese Ratgeber für Privatanleger vor allen Dingen wegen dem ungeliebten Verwandten aus der großen Familie der Aktien-Tipps: Der Pusher-Mail

Sie kennen die Pusher-Mail wahrscheinlich aus Ihrem Spam-Ordner. Windige Geschäftsleute verschicken E-Mails aus Übersee mit Aussagen wie: „Hot Stock for you! –Shares will raise from ashes tommorow! Buy this Hot stock today!”

Emails mit unbekannten Absendern sollte man aber grundsätzlich misstrauen, nicht nur im Falle von Aktien-Empfehlungen.

Leider machten im September `06 einige bekanntere Publikationen Schlagzeilen, weil sie in Marktmanipulationen um den winzigen Minentitel „De Biera Goldfields“ verwickelt waren. Ein Focus-Money-Redakteur wurde entlassen. Gegen "Bullvestor", "Pennystockraketen", "Rohstoffraketen" und "Blueskylevel" ermittelt meines Wissens immer noch die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht). Die gleichzeitig zeigt, dass sich solche schwarzen Schafe in Deutschland nicht lange am Markt halten können.

Die Größe der Auflage eines Börsenmediums muss aber in jedem Fall nicht auf seine Qualität hindeuten. Gerade die über Werbeanzeigen finanzierten, auflagenstarken Hochglanzmagazine leiden regelmäßig unter dem Zwang, möglichst „heiße Stories“ finden zu müssen! Und natürlich müssen hier auf jeden Fall in jedem Magazin mindestens 20 Titel empfohlen werden...egal ob die Börsen gerade günstig oder teuer bewertet werden.

Die Hauptvorteile von Börsenbriefen treffen für Magazine mit fünf- oder sechs-stelliger Auflage (die meisten Kiosk-Produkte) leider nur noch begrenzt zu!

Also, weshalb schreibe ich diesen Artikel, weswegen glaube ich an ein 5-Mann-Analysten-Team mit einem Generalisten als Chefredakteur, den ich zwei mal die Woche anrufen kann und der meine E-Mails beantwortet – persönlich!

Meine Hauptargumente „Pro Börsenbriefe“:

• Börsenbriefe haben eine kleine Leserschaft und bewegen somit nicht den Markt. Ihre Leser können wirklich jederzeit mit beliebigen Anteilen Ihres Depots ein- und aussteigen. Fonds mit Milliardenvermögen bewirken damit gegebenenfalls einen Crash oder eine Kursrallye! Ist ein Unternehmen unterbewertet, profitieren Sie als Anleger nur so lange, bis das „Große Geld“ die Unterbewertung korrigiert hat, bei mittelständischen Unternehmen (so genannten Small- oder Midcaps) mit wenigen hundert Millionen Euro Marktkapitalisierung kann das sehr schnell gehen.

• Börsenbriefe sind flexibler! Auch die Börsenbrief-Redakteure sind an die Regelungen der BaFin gebunden. Die Bundesanstalt verbietet z.B. Eigenhandel der Redakteure vor Veröffentlichung Ihrer Empfehlungen. Fonds und Fondsmanager sind aber zusätzlich durch eine sehr komplexe Gesetzgebung beschränkt. Z.B. dürfen sie in der Regel nur Unternehmen ab einer gewissen Größe kaufen: Echte Small-Cap-Investments sind für große Fonds so gut wie unmöglich.

• Fonds sind an Renditeziele gegenüber dem zugrundeliegenden Markt gebunden: Sie sollen den Markt schlagen, können es aber nicht, weil Sie in Summe selbst der Markt sind. Sie sorgen für Marktverzerrungen. Beispiel: Obwohl die Unternehmensbewertungen im neuen Markt utopisch waren, mussten viele Fondsmanager noch Anfang 2000 nachkaufen - bis die Blase schließlich platzte. Börsenbriefe können im Gegensatz dazu auch echt antizyklisch handeln!

• Aber das wichtigste: Man hat Erfolg mit den Dingern! Hat man einmal den für sich passenden Ratgeber gefunden, hat man so etwas wie seinen eigenen Vermögensmanager, dessen einziges Interesse darin liegt, seine Leser zufrieden zu stellen und neue Leser durch nachweisbare Erfolge und Mund-zu-Mund-Propaganda zu gewinnen. Zumindest bei einem guten Börsenbrief, und es gibt sie die guten Börsenbriefe: Es wird unabhängig recherchiert und analysiert, die Marktkommentare sind kritisch und weisen auf die Risiken hin, die Empfehlungen sind treffsicher und breit gestreut... – Sie glauben mir nicht? Nun ja, für mich als Anleger wäre es auch unglücklich, wenn in ein paar Jahren die besten Nischenprodukte zu kleinen Massenmedien würden.

Meine fünf Tipps zum Schluss:

1. Fundiertes Research, daher qualifizierte Anlage-Empfehlungen kosten Geld. Lesernähe, wie bei meinem persönlichen Favoriten hervorragend umgesetzt, sind erst recht nicht für unter 10 Euro im Monat zu haben. Werbefinanzierte Medien sind schon aus oben angesprochenen Gründen keine Alternative.

2. Einen Überblick über das breite Angebot von Börsenbriefen, jedoch ohne Anspruch auf Vollständigkeit, finden Sie auf www.boersenkiosk.de . Dort erhält man Börsenbriefe im etwas teureren Einzelabruf als PDF.

3. Wollen Sie sich im Dschungel der Anbieter zurechtfinden, macht es Sinn genauer hinzuschauen: Z.B. die Platow Börse, die Actien-Börse und die Aktien-Analyse gehören zu den ältesten unabhängigen Anlage-Ratgeber im deutschsprachigen Raum. Die beiden erst genannten gehören meines Wissens jedoch auch zu den auflagenstärksten.

4. Eine Vielzahl kleinerer Dienste publiziert der Fachverlag für Privatfinanzen: Auf www.privatanleger.net findet man quasi zu jedem Themengebiet der privaten Geldanlage einen spezialisierten Dienst. Mit dem Depot-Optimierer gibt es aber zumindest einen, auch für den Einsteiger interessanten Generalisten. Der Fachverlag lässt die Musterdepot-Performance der Börsendienste unabhängig von der WSH Vermögenscontrolling prüfen und verfügt mit der Aktien-Analyse über eine eigene Datenbank von fundamentalem Unternehmens-Research, wie sie sonst nur Banken vorzuweisen haben.

5. Die besten Dienste lohnen sich meiner Meinung nach ab einem Aktien-Depot im Wert von 10000 €. Viele Anbieter bieten einen unverbindlichen Test bevor Sie ein Abo abschließen. Diese kostenlosen „30-Tage-Tests“ sind hervorragend geeignet um sich in Ruhe mit dem vielfältigen Angebot zu beschäftigen.

Viel Erfolg bei Ihren Investments wünscht

Hans-Günter Herrmann (privater Geldanleger, freier Journalist)

Hans-Guenter_Herrmann[at]web.de

 
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  30.05.2007
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