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Ist Kaiser werden heute noch sinnvoll?
Napoleon hat es vorgemacht: Auch Mitbürger ohne Adel können Kaiser werden. Aber ist Kaiser werden heute überhaupt sinnvoll?
Die Gründe dafür, warum jemand Kaiser werden will, sind sehr unterschiedlich. Vielleicht wird es Sie überraschen, zu erfahren, daß die beiden Könige, die bei den spektakulärsten deutschen Kaiserkrönungen zu Kaisern gekrönt wurden, dies gar nicht wollten. König Wilhelm von Preußen wäre vollauf zufrieden gewesen, hätte er seine Tage auf Schloß Babelsberg bei Potsdam als preußischer Monarch beschließen können. Doch Bismarck saß ihm im Nacken. Nachdem der Eiserne Kanzler 1870/71 die Franzosen besiegt hatte, wollte er auch ein politischer Ergebnis seiner militärischen Anstrengung sehen. Wilhelm mußte Kaiser werden und wurde im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles gekrönt. Nun war er sozusagen der »Chef« der anderen deutschen Könige.
Kaiser werden gegen den eigenen Willen
Noch schlechter ging es mehr als tausend Jahre früher dem Frankenkönig Karl. Als er im Jahre 800 nach Rom reiste, wurde er dort von Papst Leo III. regelrecht übertölpelt. Leo, erst seit fünf Jahren Papst, hatte in Europa einen schweren Stand. Um seine Position zu festigen, verfiel er auf den Gedanken, seinen Freund, den Frankenkönig Karl, zum Kaiser zu krönen. Damit konnte Leo zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Er konnte zeigen, daß der Papst über den weltlichen Autoritäten stand, und er konnte dem byzantinischen Kaiser in Konstantinopel eins auswischen. Karl wußte nichts von seinem Glück. Als er die Kirche in Rom betrat, stülpte Leo ihm die Kaiserkrone auf. Hätte Karl davon gewußt, so behauptet sein Biograph Einhard, so hätte er die Kirche nicht betreten.
Kaiser werden, um die Institutionen zu erhalten
Napoleon wollte nicht so sehr aus Eitelkeit oder Größenwahn Kaiser werden, obwohl er von diesen Zügen nicht ganz frei war. Mit seiner Kaiserkrönung wollte er vor allem die Veränderungen, die er bis dahin in Frankreich bewirkt hatte, festschreiben: Sein Gesetzbuch, seine Hochschulen, seine politischen Institutionen. All das, so glaubte er, werde sich in einem Kaiserreich besser erhalten als in einer Republik. Damit hat er Recht behalten, auch wenn sein Kaiserreich schneller wieder unterging als seine Institutionen.
Kaiser werden ist einfacher als König werden
Schon der Namensgeber des Wortes »Kaiser«, Gaius Iulius Caesar, mußte feststellen, daß Kaiser werden einfacher ist als König werden. Er war bereits römischer Imperator; als er auch noch den Königstitel haben wollte, wurde es den Republikanern um Brutus zuviel. Sie putschten und ermordeten ihn.
Auch Sie werden Probleme bekommen, wenn Sie in Deutschland König werden wollen. Das Königsamt wird von den alteingesessenen Familien wie den Hohenzollern, den Welfen und den Wittelsbachern beansprucht. Sehr viel leichter ist es, Kaiser zu werden. Hierzu benötigen Sie lediglich ein Volksbegehren und eine Verfassungsänderung.


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