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Der europäische Aphorismus

Von jeher sind der europäische Aphorismus und das Fragment Ausdrucksform des prägnanten Denkens großer Geister. Hier eine repräsentative Auswahl.

Der europäische Aphorismus (1)

Die Völker, die ihre Tyrannen lieben und später hassen müssen, sind doch ein wenig stolz auf sie.

— György Konrád

Der europäische Aphorismus (2)

Die Klinge eines Narren ist zuweilen schärfer als sein Verstand.

— Sizilianisches Sprichwort

Der europäische Aphorismus (3)

Worin besteht die Barbarei anders als darin, daß man das Vortreffliche nicht anerkennt?

— Goethe

Der europäische Aphorismus (4)

If I could tell you what it means, there would be no reason to dance it.

— Isadora Duncan

Der europäische Aphorismus (5)

Die Wissenschaft fängt eigentlich erst da an, interessant zu werden, wo sie aufhört.

— Justus v. Liebig

Der europäische Aphorismus (6)

Auf die Welt des Ingenieurs muß nun die Welt des Imagineurs folgen.

— Günter Faltin

Der europäische Aphorismus (7)

Die reale Welt ist die Welt der Imagination.

— Günter Faltin

Der europäische Aphorismus (8)

Jeder Tag, an dem man ein geistiges Leben führt, ist ein gewonnener Tag.

— Hellmut Becker

Der europäische Aphorismus (9)

Ich bin Erotiker, kein Sublimierer.

— Nicolaus Sombart

Der europäische Aphorismus (10)

Eine Stadt ohne Orgien ist eine tote Stadt.

— Nicolaus Sombart

Der europäische Aphorismus (11)

Die moralische Aufrüstung von links kann mir gestohlen bleiben. Ich bin kein Idealist. Bekenntnissen ziehe ich Argumente vor. Zweifel sind mir lieber als Sentiments. Revolutionäres Geschwätz ist mir verhaßt. Widerspruchsfreie Weltbilder brauche ich nicht. Im Zweifelsfall entscheidet die Wirklichkeit.

— Hans Magnus Enzensberger

Der europäische Aphorismus (12)

Louis XIV war aber nicht einmal Liebhaber, denn was hätte der überhaupt lieb gehabt?

— Jacob Burckhardt, Historische Fragmente, Kap. 84

Der europäische Aphorismus (13)

Europäisch ist: das Sichaussprechen aller Kräfte, in Denkmal, Bild und Wort, Institutionen und Partei, bis zum Individuum, — das Durchleben des Geistigen nach allen Seiten und Richtungen, — das Streben des Geistes, von Allem, was in ihm ist, Kunde zu hinterlassen, sich nicht an Weltmonarchien und Theokratien, wie der Orient, lautlos hinzugeben. Von einem hohen und fernen Stadtpunkt aus, wie der des Historikers sein soll, klingen Glocken zusammen schön, ob sie in der Nähe disharmonieren oder nicht: Discordia concors.

Tödlich für Europa ist immer nur Eins erschienen: Erdrückende mechanische Macht, möge sie von einem erobernden Barbarenvolk oder von angesammelten heimischen Machtmitteln im Dienst Eines Staates oder im Dienst Einer Tendenz, etwa der heutigen Massen, ausgehen.

Retter Europas sind nicht die größten Feinde Roms gewesen, sondern die beharrlichsten Feinde Spaniens: die Holländer, England, das katholische und das protestantische, und Henri IV trotz seines Übertrittes. Retter Europas ist vor Allem, wer es vor der Gefahr der politisch-religiös-sozialen Zwangseinheit und Zwangsnivellierung rettet, die seine spezifische Eigenschaft, nämlich den vielartigen Reichtum seines Geistes bedroht.

— Jacob Burckhardt, Historische Fragmente, Kap. 84

Was bedeuten die grünen Links? von Alexander Löwen  
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